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Zeitzeugenbesuch: Günther Rehbein, Jahrgang 1933, fesselt, berührt und bewegt
Gibt es ein richtiges Leben im Falschen? Unter dieser berühmten philosophisch-politischen Frage Theodor Adornos hatte sich der 10. Jahrgang im Geschichtsunterricht dem Nationalsozialismus genähert. Fragen über Fragen: Was war attraktiv an den Nationalsozialisten und ihrer Politik? Was hat Millionen Menschen zu ihren Anhängern werden lassen? Wodurch wird Alltagsbewusstsein geprägt und können wir durch Reflexion dieses Bewusstseins im humanistischen Sinne in die Geschichte eingreifen?

In diesem Prozess des historisch-politischen Unterrichts war am 17. November 2017 Günther Rehbein (Foto: Archivbild), Autor des Buches „Gulag und Genossen“ und reisender Zeitzeuge mit hohem pädagogischen Anspruch an Aufklärung, am Evangelischen Johanniter-Gymnasium zu Gast.

Herr Rehbein wurde Anfang der 50er Jahre der antisowjetischen Hetze bezichtigt, von der Sowjetischen Besatzungskommandantur zu 25 Jahren Zwangsarbeit in den Gulag Workuta deportiert, kehrte nach seiner Freilassung im Jahre 55 zurück in seine Heimatstadt Gera und wurde dort in den 60er Jahren erneut verhaftet und 4 Jahre im Zuchthaus Bautzen festgehalten.

In seinem Bericht geht es um staatlich organisierte Willkür, Folter, Verletzung der Menschenwürde und der Rechtssicherheit, um Hoffnung und Solidarität, Ohnmacht und den aufrechten Gang. 

Und wieder begegneten wir der Frage Adornos: Gibt es ein richtiges Leben im Falschen? War es möglich, in einem Staat, der seine eigene rechtsstaatliche Verfassung durch Willkür, Gewalt und Einschüchterung immer wieder außer Kraft setzte, ein „richtiges Leben“ zu führen? Wie konnte und kann so ein richtiges Leben aussehen? Kann man unter der Prämisse der Wahrung der Menschenwürde im Sinne einer freien Gestaltung des eigenen Lebens unter Berücksichtigung der Erfordernisse einer solidarischen Gemeinschaft ein „in Teilen“ richtiges Leben führen, während „andere Teile“ dieses Richtige pervertieren? Kurz: Gab es Gutes in der DDR? 

Schon die ersten Reaktionen einiger Jugendlicher („Wir hätten gerne weiter zugehört -das ist viel interessanter als Unterricht“....) haben gezeigt, dass ein Zeitzeuge ein Erfahrungsfeld eröffnen kann, das normalerweise nur distanziert über Medien wie Schulbücher oder Filme als mittelbare Erfahrung zugänglich wird.

Die lebendige Person des Zeitzeugen vermittelt die Unmöglichkeit, mit solchen Erfahrungen, wie Herr Rehbein sie gemacht hat, jemals abschließen zu können und damit die Dimension der historischen Verantwortung, die wir alle tragen und die nur auf das Heute und in die Zukunft gerichtet sein kann, wenn sie sich nicht in der Schuld-Frage verlieren will. 

„Wir danken Herrn Rehbein, dass er nicht aufgibt, immer wieder in einen lebendigen Dialog mit jungen Menschen zu treten“, so Deutschlehrerin Sabine Bartsch-Kappauf, „auch danken wir unseren jungen Menschen, dass sie sich diesem Dialog stellen und ihre Position zu finden versuchen und dabei hoffentlich aktiv sind und sein werden, die unteilbaren Menschenrechte zu verteidigen“.