Polizei macht Schule

Ein Streifenwagen auf dem Schulhof – da muss doch etwas passiert sein? Und tatsächlich, am 13. April fand das erste Projekt zur Kriminalitätsvorbeugung im Evangelischen Johanniter-Gymnasium statt. Hauptkommissar Hendrik Goltze vom Sachgebiet Prävention der Kriminalpolizei war mit einem Streifenwagen vor die Wriezener Bildungseinrichtung gefahren und besuchte im Rahmen des Unterrichts zur Politischen Bildung die Klasse 8a.


Die eingangs spürbare Distanz zwischen Referent und Schülern konnte schnell überwunden werden. Der Präventionsexperte Goltze beantwortete fachkundig zunächst eine Reihe von Fragen, die die Schüler vorbereitet hatten. Die Jugendlichen wollten beispielsweise die häufigsten Delikte im Landkreis erfahren, sie fragten aber auch nach Strafen und dem Sinn unseres Rechtssystems. Außerdem erkundigten sich die Schüler nach dem Recht auf Notwehr oder der Fürsorge für Kriminalitätsopfer. Kommissar Goltze kennzeichnete als häufigste Delikte bei Jugendlichen die Diebstähle, insbesondere die Ladendiebstähle. „Bei Drogendelikten durch Jugendliche ist zum Glück ein klarer Rückgang zu verzeichnen“, so Goltze erleichtert.


Im Anschluss wurde insbesondere der Gewaltbegriff detailliert analysiert. Zusätzlich zur bekannten körperlichen Gewalt rückte Hendrik Goltze das Augenmerk der Schüler besonders auf psychische Formen der Gewaltanwendung. Neben Mobbing und Diskriminierung sei besonders auffällig, dass es zu immer schwerwiegenderen Verstößen durch den Missbrauch von Computern und Mobiltelefonen mit Fotofunktion komme. Dieses Thema bildete dann auch den Schwerpunkt der Veranstaltung. Jugendliche stellen, so der Polizeibeamte, oft ohne das Wissen der Betroffenen deren Fotos und persönliche Informationen ins Handy- oder PC-Netz. Gelegentlich sind diese Aktionen sogar mit Beleidigungen der Betroffenen verbunden. Kommissar Goltze warnte eindringlich: „Dies stellt einen Straftatbestand dar, der bei Anzeige entsprechend verfolgt wird. Zusätzlich können Opfer auch zivilrechtliche Ansprüche geltend machen.“ Als Abrundung präsentierte der Referent seinen Zuhörern noch einen kurzen Spielfilm zum Thema „Handy- und PC-Gewalt“. Er kam beim Publikum gut an und führte wiederum zu einer lebhaften Diskussion.


Die Veranstaltung wurde von allen Seiten als interessant, produktiv und sinnvoll empfunden und wird nicht die letzte ihrer Art am Evangelischen Johanniter-Gymnasium gewesen sein.


Jürgen Lemke-Kreft, Lehrer für Politische Bildung