Ein Abend voller Poesie, Musik und Melancholie

Zu einem einmaligen Konzerterlebnis hatte das Evangelische Johanniter-Gymnasium Wriezen am 16. April in den Rathaussaal der Oderbruchhauptstadt eingeladen. Zu erleben und zu hören war die französische Gruppe „Mi alma“.


Nachdem die drei Musiker aus Brest  in der Bretagne bereits in den Tagen zuvor Gast im Gymnasium waren und dort mit den Schülerinnen und Schülern eine romanische Kulturwoche gestalteten, bildete das Konzert am Freitagabend den Abschluss und den Höhepunkt dieser interkulturellen Begegnung.


Von der ersten Minute an verzauberte das Trio das Publikum mit seinen Liedern, in denen Elemente aus bretonischer und iberischer Volksmusik sowie des argentinischen Tangos zusammenfließen. Textgrundlage für die meisten Lieder bilden die Liebesgedichte des chilenischen Autors Pablo Neruda. Die Sängerin Sarah Floch interpretierte diese Texte mit großer Expressivität und brachte damit auf berührende Weise die Leidenschaft und Melancholie der Texte zum Ausdruck. Begleitet wurde sie von Yann Simon an der Gitarre und Fanny Labiau am Bandoneon. Simon, der auch für die originellen und geistreichen Kompositionen der Gruppe verantwortlich ist, und Labiau waren sehr gut aufeinander eingespielt und musizierten mit Spaß und ganzer Seele. Insbesondere Fanny Labiau beeindruckte. Zum einen sicherlich, weil das Bandoneon hierzulande nicht häufig zu hören ist, zum anderen aber auch durch ihre furiose Spielweise und ihr großartiges Rhythmusgefühl. Sie schien eins zu sein mit ihrem Instrument.


Durch das Programm führten Alejandro Fernández Martin und Sientje Arzt, der Spanischlehrer und die Französischlehrerin der Schule und Organisatoren der romanischen Woche, und eine Schülerin des Gymnasiums. Sie lasen Gedichte von Pablo Neruda und übersetzten sie.


70 begeisterte Zuhörerinnen und Zuhörer spendeten langanhaltenden Applaus und forderten eine Zugabe der Franzosen. Diese kamen der Bitte gern nach. Doch das letzte Lied des Abends gehörte den Schülerinnen und Schülern, die mit Yann Simon unbedingt noch einmal ein französisches Chanson singen wollten, das sie gemeinsam in der Woche einstudiert hatten. Nach einem großen Dankeschön an die Künstler formulierte Sientje Arzt die Hoffnung, „Mi alma“ in Wriezen bald wiederzusehen. Eine Hoffnung, die nach diesem Musikgenuss wohl viele teilten.