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"Lernen mit Kopf, Herz und Hand", so lautet das Motto unserer jungen Schule. Das Evangelische Johanniter-Gymnasium verbindet christliche Bildungstraditionen mit innovativer Pädagogik. Wir hoffen, Sie erfahren auf unserer Website, was Sie über unsere Schule wissen möchten, und besuchen uns häufig.

Gedenkfeier zur Reichspogromnacht – ein Beitrag des Leistungskurses Geschichte
Warum soll, warum muss man heute noch aktiv eines Ereignisses gedenken, das nun 80 Jahre – ein ganzes Menschenleben – zurückliegt? Das Dritte Reich, die nationalsozialistische Diktatur und der Holocaust sind doch längst von Historikern aufgearbeitet worden, haben ihren mahnenden Einzug in die Schulbücher gehalten und werden mit Gedenkfeiern oder in zahlreichen Mahnmälern gewürdigt! Aber ein Blick in die Zeitungen und Nachrichten unserer Tage genügt – um festzustellen, dass es leider wichtiger denn je ist, als Nachgeborene die Geschichte unseres Landes im kollektiven Gedächtnis lebendig zu erhalten und aus ihr zu lernen.

Deutlich und immer lauter wurden in den letzten Jahren Stimmen, die Minderheiten in unserem Land ausgrenzen wollten. Zunehmend aktiv werden politische Kräfte die darauf drängen, nationalsozialistische Täter zu Opfern zu stilisieren, rassistische Ideen wieder gesellschaftsfähig machen wollen und die demokratischen Grundwerte unseres Landes mit den Füßen treten.

Sichtbar werden wieder Zeichen gesetzt, die das Leid der Juden verhöhnen. Erinnerungszeichen wie die mittlerweile landesweit gesetzten Stolpersteine wurden überklebt, Denkmäler immer häufiger mit faschistischen Symbolen geschändet. Mitmenschen werden dieser Tage aufgrund ihrer Religion – nicht nur der jüdischen – und Herkunft öffentlich beleidigt oder angegriffen. Der Antisemitismus des Dritten Reiches befindet sich nicht mehr in der Vergangenheit, sondern auf dem Weg in die Mitte unserer Gesellschaft. Vielerorts trauen sich Juden kaum noch, die Zeichen ihres Glaubens wie die Kippa öffentlich zu tragen. "Jude" wird in vielen Schulen als Schimpfwort verwendet. Selbsternannte Künstler nutzen ihre Musik um antisemitische Propaganda zu verbreiten.

Vor genau 80 Jahren sahen viele Deutsche nur tatenlos zu, wie Synagogen verbrannt, jüdische Geschäfte geplündert und Menschen auf offener Straße terrorisiert wurden. Heute sehen viele Menschen genauso zu, wenn Rechtsextreme Flüchtlingsheime anzünden, Hakenkreuze und den Hitlergruß auf offener Straße zeigen oder hören weg, wenn antisemitische Parolen gerufen werden. Ähnlich wie vor 80 Jahren, verlassen jüdische Mitbürger ihre deutsche Heimat, weil sie hier nicht sicher sein können. Ähnlich wie damals werden auch heute wieder jüdische Geschäfte beschmiert und Menschen bedroht – während unser Rechtsstaat gleichermaßen häufig wegsieht.

Wenn politische Parteien und Organisationen – wie AfD oder Pegida – Gedenkstätten und Erinnerungskultur infrage stellen, erscheint es umso wichtiger, diese Orte und Tage zu stärken. Doch nicht aus Schuldgefühl – sondern aus Verantwortung! Verantwortung für eine freiheitliche demokratische Grundordnung. Verantwortung für eine tolerante Gesellschaft. Tolerant nicht nur gegenüber religiösen Überzeugungen, sondern gegenüber jedem friedliebendem Lebensstil. Und so wird es immer wichtiger, dass Erinnerungsveranstaltungen wie diese hier heute nicht zum leeren Ritual erstarren, sondern wir uns durch sie immer wieder erneut ihre Verbindung zur Gegenwart ins Gedächtnis rufen und unserer kollektiven Verantwortung, erwachsen nicht nur aus den Geschehnissen vor 80 Jahren, öffentlich und bewusst stellen!

So verneigen wir uns schließlich vor den Opfern und erheben unser Haupt gegenüber den heutigen Tätern! (Leistungskurs Geschichte, Jgst. 11)

Foto: Archivbild 2017