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Kulturelle Vielfalt belebt den Unterricht

Normalerweise muss man im Brandenburgischen lange suchen, bis man zufällig auf Menschen aus anderen Kulturen stößt, während sich zum Beispiel in der Berliner S-Bahn die Fremdsprachen nur so überflügeln. Dass es nicht so bleiben muss, zeigen die jüngsten Entwicklungen im Evangelischen Johanniter-Gymnasium in Wriezen. Neben Gastschülern, die aus Asien, Afrika sowie Nord- und Südamerika bislang den Weg in das kleine Oderbruchstädtchen gefunden haben, mehrt sich auch auf der Seite der Lehrer der Anteil an Muttersprachlern aus anderen Ländern.

Allen voran ist da der Spanischlehrer Alejandro Fernández Martin zu nennen, der seit über zwei Jahren die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums originell und lebendig in seine Muttersprache einführt. Dass er ein Händchen fürs Schauspielerische hat und sich zudem als Zeichner versteht, kommt seinem Unterricht nur zugute. Wenn er nicht unterrichtet, zeichnet er Menschen, Situationen, Gesichter oder entwickelt auf Auftrag gern Comics. Ursprünglich stammt der Spanier aus Cadiz, der andalusischen Stadt am Meer. Bereits mehrmals begleitete er zahlreiche seiner Wriezener Schüler zu Sprachaufenthalten in den Sommerferien in seine Heimatstadt. „Sie verstehen mich nun besser und haben auch einen größeren Respekt gegenüber der spanischen Kultur entwickelt.“

Die kolumbianische Gastschülerin Laura Bahamón Jimenez, die seit dem Beginn dieses Schuljahres in der 10 unterrichtet wird, fühlt sich bei ihrer Gastfamilie in Golzow sehr wohl. Sie hat es glücklich getroffen. Ihre „Gastschwester“ Johanna teilt mit ihr viele Interessen, nicht nur das Tanzen und Kochen. Laura bringt Johanna Salsa bei und Johanna hilft ihr, in der deutschen Sprache und hier im Lande immer heimischer zu werden. Die beiden Mädchen sind ein Herz und eine Seele! Aber auch sonst fühlt sich Laura in ihrer neuen Klasse und im Brandenburgischen bestens aufgehoben. „Die Leute sind sehr nett.“ Von Fremdenfeindlichkeit bedroht fühlt sie sich keineswegs. Da geht es in Cali, ihrer kolumbianischen Heimatstadt, schon anders zu. Die Schulkinder laufen aus Sicherheitsgründen niemals allein zur Schule, wie das hier so üblich ist. Allerdings findet sie das Bild, das man sich in Deutschland von Kolumbien macht, eindeutig zu negativ. Das einzige, was der 15jährigen Laura manchmal fehlt, ist die spanische Sprache, und da ist es schon ein Segen, dass es am Johanniter-Gymnasium immerhin Alejandro Fernandez gibt sowie Tom Schwenk, der als Halbkolumbianer und Sportlehrer der Schule schließlich auch mit ihr Spanisch parlieren kann.

Laurie Grunenberg ist Englischlehrerin am Evangelischen Johanniter-Gymnasium Wriezen. Sie kommt aus Amerika, hat selbst fünf amerikanisch-deutsche Kinder und lebt im Fläming. Dass sie kulturell aus dem Nähkästchen plaudern und die englische Sprache den Schülerinnen und Schülern als „mother tongue“ näher bringen kann, ist natürlich für die Schule eine unglaubliche Bereicherung. Wer am Ende der Schulzeit fließend Englisch und Spanisch spricht, hat allemal bessere Chancen. Dies ist jedenfalls explizit das Ziel der beiden Pädagogen. „Wenn ich mit den Schülern im Unterricht so voran schreiten kann wie bisher, werde ich sie auch dahin bekommen, letzte Sprachbarrieren einzureißen“, prophezeit der Spanischkollege Fernandez zuversichtlich.

„Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen“. Wer nicht so lange warten will, bis das brandenburgische Leben sich mit ausländischen Besuchern füllt, der kann sich auch, wie zwei Schülerinnen des Gymnasiums, für einen längeren Auslandsaufenthalt entscheiden. Die Zehntklässlerinnen Johanna von der Marwitz und Carmen Sixdorf sind für sechs bzw. zwölf Monate nach Amerika gegangen, um Land und Leute kennen zu lernen und ihr Englisch aufzubessern. „Ich kann das jedem nur empfehlen“, schreibt Carmen aus Amerika, obwohl sie einiges, besonders ihre Nahesten, auch sehr vermisst.

Sicher sind aber die häufigen Kontakte zu anderen Kulturen ein entscheidender Grund, warum das Bereisen und Erkunden fremder Kulturen den Schülerinnen und Schülern am Evangelischen Johanniter-Gymnasium in Wriezen immer selbstverständlicher erscheint. Beispielhaft zeigen das die Japanreise im letzten Jahr, der regelmäßige Besuch der Jugendgruppe iThemba aus Südafrika sowie die Romanische Woche im März, bei der die französische Musikgruppe MI ALMA aus Brest im Johanniter-Gymnasium auftrat. Der Frieden in der Welt beginnt schließlich durch den Kontakt zwischen den einzelnen Menschen, und es lohnt sich täglich damit anzufangen, Kontakte aufzubauen und zu vertiefen.

Sientje F. Arzt