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Jan Malek: Brief an den Bruder

 05.07.1946

Lieber Klaus-Dieter,

 

wie geht es dir jetzt? Es war schön, von dir zu hören und es freut mich, dass es bei euch dort in Bayern schön ist.

Bei mir wird gerade auch alles besser. Als ich von euch getrennt wurde, musste ich mich um ein Grundstück bemühen. Doch aufgrund der Bodenreform, die die Großgrundbesitzer enteignete, bekam ich schon bald 10 ha Land nahe dem Dorf Friedland geschenkt. Darauf befand sich sogar schon ein kleines Häuschen!

Auch sonst ist viel passiert. Beinahe eine Million Flüchtlinge sind mit uns aus dem Gebiet östlich der Oder in das jetzt von den Sowjets besetzte Deutschland gekommen. Hier sind alle größeren Städte zerbombt, das kannst du dir gar nicht vorstellen!

Im Juni 1945 wurden mehrere Parteien neu gegründet, unter anderem auch die SPD, deren Programm mich ja schon früher auf ihre Seite zog. Doch in diesem Jahr im April schlossen sie sich mit der Kommunistischen Partei zu einer Einheitspartei zusammen. Nun habe ich Angst, dass alles von jedem genommen wird und dann an alle wieder gleich aufgeteilt wird, sodass es keine Reichen oder Armen mehr geben kann. Oder auch, dass alle nur noch eine Möglichkeit bekommen. Denn es ist ja angeblich so, dass alle Schüler hier nur noch eine gleiche Zentralschule besuchen sollen. Na, zum Glück bin ich aus dem Alter raus!

Doch der Kommunismus hält anscheinend überall Einzug. Hoffentlich kommt es nicht zu weit!

Soviel erst einmal von mir, ich hoffe, wir bleiben weiter in Kontakt.

Bestelle doch bitte allen, vor allem Mutter und Vater, schöne Grüße von mir.

 

In Liebe

 

Dein Hans-Jürgen