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4. Stock, perfekt!

Ich hasse mich dafür, was ich getan habe.

Es begann alles mit einem lustigen Abend mit meiner besten Freundin Hanna. Wir waren gerade von der Disco nach Hause gekommen und stiegen aus dem Wagen aus. Es war dunkel, vielleicht etwas zu dunkel. Nur ein paar Straßenlaternen ließen den Bürgersteig erleuchten. Es muss so gegen halb eins gewesen sein, ich weiß es nicht mehr so genau. Hanna war zu betrunken, um alleine mit ihrem Wagen, mit dem wir schon zur Disco gefahren waren, den Heimweg anzutreten. Ich schlug ihr vor, die Nacht bei mir zu verbringen. Doch Hanna war überzeugt davon, noch nach Hause fahren zu können. Ich nahm sie am Arm, um sie ins Haus zu bringen. Meine Angst davor, dass Hanna auf dem Weg nach Hause etwas passieren könnte, war einfach zu groß. Doch sie wollte mich vom Gegenteil überzeugen. Sie riss sich von mir los, um sich in den Wagen zu setzen. Doch sie vergaß, dass ich schon von der Disco bis zu mir gefahren war, da sie nicht mehr in der Lage dazu war. Ich hatte noch ihren Schlüssel. Den roten Anhänger, der daran hing, den habe ich bis heute nicht vergessen. Ich habe alles zerstört. Ich werde Hanna nie wieder in meine Arme schließen können, nie wieder mit ihr lachen, sie nie wieder anrufen können und ihr meine Probleme erzählen. Sie saß aufgewühlt im Wagen, suchte vergeblich nach dem Schlüssel, den ich in der Hand hielt. Als ihr einfiel, dass ich ihn noch haben musste, fing sie an sauer zu werden. Sie stieg aus und versuchte vergeblich, mir den Schlüssel aus der Hand zu reißen. „Maike, lass den verdammten Schlüssel los“, schrie sie. Doch ich wollte nicht nachgeben. Vielleicht hätte ich einfach loslassen sollen. Vielleicht wäre sie dann noch am Leben? Und ich, ich wäre es auch, denn ich kann mit diesen Schuldgefühlen nicht mehr leben. „Merkst du es nicht? Du bist viel zu betrunken, um jetzt noch zu fahren. Komm einfach mit!“, schrie ich. Ich war aufgebracht. Doch sie wollte nicht. Der Kampf um den Schlüssel wurde immer heftiger. Ich riss ihr am Arm. Sie zog an meiner Kleidung. Ich versuchte krampfhaft, mit ihr in Richtung Haus zu kommen. Sie hielt dagegen. So ging es immer weiter. Ich hätte einfach nachgeben sollen. Ich bin an allem Schuld. Ich sitze gerade auf dem Fensterbrett und denke über alles nach. Wochenlang hat mich mein Gewissen geplagt. Von hier aus kann man die Straßen gut beobachten. Es scheint die Sonne, anders als an diesem Abend, als es dunkel war. Es scheint sie Sonne, als wäre nichts passiert. Inzwischen wurde sie immer aggressiver. Sie packte mich an den Schultern. Um mich zu befreien, stieß ich sie nach hinten. Das hätte ich einfach nicht tun dürfen. Sie verlor das Gleichgewicht und viel genau mit dem Genick auf die Bordsteinkante. Da lag sie nun, regungslos. Ich war wie erstarrt. Wie konnte das nur passieren? Ich hätte es wissen müssen. Habe einfach nicht darüber nachgedacht. Ich suchte verzweifelt das scheiß Handy in meiner Tasche. Immer wenn man es braucht, ist es nicht da. Wenige Sekunden später fand ich es zwischen Taschentüchern und Lipgloss. War es nun schon zu spät? Hanna lag immer noch genauso regungslos wie vorher da. Ich rief den Krankenwagen. Bis dieser eingetroffen war gingen mir tausend Dinge durch den Kopf. Wie wir uns kennen lernten, anfreundeten, einfach unsere gemeinsame Zeit. Sollte jetzt etwa alles vorbei sein? Ich kniete neben ihr. Die Tränen liefen über mein Gesicht. Der Krankenwagen traf ein. Ich sah nur noch, wie der Arzt den Kopf schüttelte. Mir wurde klar, dass ich meine beste Freundin umgebracht hatte. Ich sehe auf die Straßen. Ich weiß, dass nichts mehr wie früher sein wird. Mein Leben macht keinen Sinn mehr, ich bin eine Mörderin. 4. Stock, perfekt!

 

22.06.2011, Junge Frau springt aus dem Fenster ihrer Wohnung

Eine 19-jährige Frau springt aus dem 4. Stock

eines Hochhauses. Einige Wochen zuvor brachte sie

durch einen Unfall ihre Freundin um. Die Polizei

vermutet, dass dies der Grund für den Suizid war.

 

                                                                                                          Nadine Rades & Chenoa Sauer