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Aus der Hölle

Lieutenant Fallaway saß zur Mittagszeit in seinem Büro in Washington D.C. und las eine Fallakte. Fallaway war 32 und hatte schon die ersten grauen Haare. Er war relativ sportlich gebaut, aber ein Athlet war er nicht. Außerdem hatte er eine Verletzung an seinem rechten Bein, die er sich bei einem alten Fall zugezogen hatte. Inzwischen war seit 9 Jahren verheiratet und er liebte seine Frau immer noch wie am ersten Tag. Da ging die Tür auf und sein neuer Partner Danny White trat ein. Danny war erst heute Fallaway zugeteilt worden, nachdem sein letzter Partner von einem Irren erschossen worden war. Fallaway hatte einiges über Danny gehört, zum Beispiel, dass er gut in Vernehmungen war und ein netter Kerl. „Es gab noch ein Opfer“, sagte er, ,,Eine Prostituierte namens Annie Calough wurde auf die gleiche Weise ermordet wie Mary-Ann Lively.“ Dieser Ausspruch bezog sich darauf, dass vor ein paar Tagen die Prostituierte Mary-Ann Lively mit durchgeschnittener Kehle und mehreren Messerstichen in einer kleinen Seitengasse aufgefunden wurde. Auf einer Videokamera war zu sehen, wie ein Mann in einem schwarzen Kapuzenmantel sich von hinten an das Opfer anschlich, ihr die Kehle mit einem scharfen Messer durchschnitt, und dann auf sie einstach. „Dieses Mal gab es einen Zeugen, er heißt Tom Waldeyer, du kannst ihn später vernehmen. Außerdem hat der Täter einen Brief hinterlassen“, fuhr Danny fort, und riss Fallaway aus seinen Gedanken. „Wirklich? Gib mal her“ sagte Fallaway schnell, um Dannys Redefluss zu unterbrechen. Danny gab ihm den Brief. Fallaway las:

 

Sehr geehrte Polizeikräfte,

ich weiß, dass sie meine Arbeit bereits bewundern konnten. Sicher suchen sie schon mit allen Kräften nach Spuren, die auf meine Identität hinweisen. Viel Glück dabei. Sicher fragen sie sich auch, wieso ich solch grausame Morde begehe. Der Grund dafür ist einfach. Ich setze lediglich das Werk meines Vorfahren fort, der allgemein unter dem Synonym „Jack the Ripper“ bekannt geworden ist. Sie können mich übrigens, wenn sie über mich sprechen, Jack nennen.

Mit freundlichen Grüßen

Aus der Hölle

„Ich glaube, dass wir einen Experten für Jack the Ripper brauchen. Zufällig kenne ich da einen Professor für das 19. Jahrhundert. Er lehrt an der Georgetown-Universität. Wollen wir ihn besuchen?" „Klar doch", meinte Danny, „aber zuerst sollten wir an den Tatort fahren, er liegt auf dem Weg zur Uni.” Eine viertel Stunde später kamen sie am Tatort an. Es war eine kleine Seitengasse, die von der Strasse abführte. Etwas weiter hinten sahen sie Tom Waldeyer, der gerade von dem jungen Officer André verhört wurde. Fallaway schickte den Officer prompt weg und begann die Befragung. „Mr. Waldeyer, was ist hier genau passiert?” Tom Waldeyer, ein schmächtiger, unauffälliger Mann um die 40 mit grau-schwarzem Haar, antwortete: ,,Ich kann es noch immer nicht fassen. So ein grausamer Mord, und das am helllichten Tag. Können sie sich so etwas vorstellen?” Fallaway konnte. Er hatte schon ganz andere Morde gesehen. „Bitte fahren sie mit ihrer Sicht der Ereignisse fort.” „Ich war gerade auf dem Weg in meine Wohnung, als ich sah, wie eine blonde dürftig bekleidete Frau vor einem Mann in Schwarz wegrannte. Da hinten hatte er sie eingeholt und zog ein Messer. Die Arme konnte keinen Schrei mehr ausstoßen. Er hat ihr einfach den Hals durchgeschnitten. Dann nahm er das Messer und stach noch mehrere Male auf sie ein. Anschließend zog er einen Brief aus der Tasche und legte ihn auf die Tote. Danach ist er weggerannt und hat aus Versehen noch diese Mülltonne umgestoßen. Ich habe sofort die Polizei verständigt. Das war alles.” „Kannten sie die Tote, Mr. Waldeyer?“ „Nein Sir, ich habe sie noch nie gesehen.“ „Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen?“ „Na ja, wenn Sie mich so fragen, dann habe ich, als der Kerl an mir vorbeigelaufen ist, gesehen, dass er tiefblaue, ja fast schon strahlende Augen hatte.“ „Aha, danke für Ihre Kooperationsbereitschaft. Auf Wiedersehen.“ Fallaway entfernte sich von Waldeyer und flüsterte dann zu Danny: „Setze Waldeyer mal auf die Verdächtigen-Liste. Ich weiß zwar, dass er kein Motiv hat, aber es ist schließlich alles möglich. Und ich bin sicher, dass er gelogen hat, als er sagte, dass er das Opfer nicht kenne. Komm, sehen wir uns mal den Tatort an.“ Fallaway betrachtete den Tatort. Überall lag der Müll aus der umgestoßenen Tonne. Zwischen dem Unrat glänzte etwas merkwürdig. Fallaway bückte sich und schob den Müll beiseite. Dort lag ein scharfes Messer, an welchem kein Blut klebte. „Danny, hol eine Tüte. Vielleicht hat ,,Jack“ hier etwas vergessen.“ Danny gab ihm eine Spurensicherungs-Tüte. Mit Handschuhen packte er das Messer ein und gab es Officer André zur Untersuchung auf DNA oder Fingerabdrücke. Anschließend betrachtete er die Leiche. Dabei fiel ihm etwas auf. Direkt neben der Leiche von Mrs. Calough lag ein kleines Stück Papier. Vorsichtig hob er es auf und erkannte, dass es eine Visitenkarte war. „Dr. Francis Krügers Arztpraxis“, las er laut. „Noch jemand, den wir besuchen können?“, fragte Danny. „Ja, wir werden ihn nach unserem Georgetown-Besuch besuchen fahren. Aber jetzt los, meine Frau Elizabeth kocht heute Abend Lasagne. Das will ich nicht verpassen.“ Sie stiegen in den Wagen und fuhren zur Georgetown-Uni. Kurze Zeit später trafen sie auf Professor William Terlec, welchen Fallaway schon aus einem früheren Fall kannte. Es war der Fall gewesen bei dem Fallaway eine Beinverletzung bekommen hatte. Terlec hielt einen Vortrag über die damals von Jack the Ripper begangenen Morde. Nach diesem Vortrag fragte Fallaway: „Professor Terlec, Sie sagten, dass die Namen der ersten Opfer Mary-Ann Nichols und Annie Chapman waren, stimmt?“ „Stimmt.“ „Nun, jetzt wissen wir wenigstens, wonach Jack seine Opfer aussucht. Die ersten Opfer von ihm hießen Mary-Ann Lively und Annie Calough. Wie hieß noch mal das 3. Opfer von Jack the Ripper?“ „Sie hieß Elizabeth Stride“, antwortete Torlec und Fallaway zuckte beim Klang des Vornamens, den auch seine Frau hatte, zusammen. „Oh Gott“, sagte Danny, „Lieutenant, soll ich eine Streife zu Ihrer Frau schicken?“ „Ja, bitte!“, flüsterte Fallaway besorgt. „Danke für Ihren Vortrag, Professor Terlec. Wir müssen noch einen Verdächtigen überprüfen. Bis Bald.“ „Auf Wiedersehen. Richten sie Ihrer Frau meine Grüße aus“, rief der Professor noch, als Fallaway schon längst losgerannt war. Im Auto hatte der Lieutenant sich schon wieder beruhigt und sie fuhren schweigsam zu der auf der Visitenkarte angegebenen Adresse. Die Praxis war klein und hatte kaum Kunden. Aus diesem Grund konnten sie sofort mit Dr. Krüger sprechen. Krüger war ziemlich sportlich gebaut und hatte strahlende blaue Augen, schwarzes Haar und ein attraktives Gesicht. Schonungslos legte Danny sofort die Fakten auf den Tisch und erzählte ihm von der Visitenkarte und von der Aussage von Tom Waldeyer, besonders von der Sache mit den blauen Augen. Kochend vor Zorn sagte Krüger: ,,Es gibt jede Menge Leute mit blauen Augen in Washington, zum Beispiel unseren Präsidenten. Und da soll ausgerechnet ich der Schuldige sein? Und eine Visitenkarte von mir ist auch kein Beweis. Verschwinden Sie aus meinem Haus.“ „Ok, ok“, sagte Fallaway, „Da lässt sich wohl nichts machen. Komm Danny. Übrigens Danny, möchtest du mit zu mir kommen? Elisabeth macht doch heute Lasagne und ihre ist die beste.“ „Klar, gerne doch“, meinte Danny. Als sie zum Hause Fallaway fuhren sagte Fallaway: „Danny, schick bitte die Streife weg.“ „Was? Wieso denn?“ „Falls ich mit meiner Vermutung richtig liege, werden wir heute Abend Besuch von Jack bekommen.“ „Ach so, deshalb haben sie vor Krüger von Elisabeth gesprochen.“ „Ja, vielleicht ist er ja so dumm und fällt auf die Falle herein.“ Kurz darauf waren sie da und wurden überschwänglich von Mrs. Fallaway begrüßt. Ganz wie Mr. Fallaway gesagt hatte schmeckte die Lasagne ausgezeichnet und sie verbrachten den Rest des Abends mit einem Kartenspiel. Danach sagte Danny: „Ich übernehme die erste Wache, ok?“ „Erste Wache? Wovon redet er da, Theodore?“, fragte Mrs. Fallaway ihren Mann. „Ehrlich, du heißt Theodore, das hättest du ruhig mal sagen können“, witzelte Danny. „Reg dich bitte nicht auf Liza, aber es könnte sein, dass ein Serienkiller, der Jack the Ripper nachahmt, es auf dich abgesehen hat.“ „WAS?“, kreischte Elizabeth. „Nur die Ruhe, ich und Danny werden ihn aufhalten.“ „Na, dann ist ja gut.“ Danny bezog im Wohnzimmer vor der Tür zum Schlafzimmer Posten. Für eine Weile geschah nichts. Doch dann um 23.00 hörte Danny, wie jemand das Fenster in der Küche öffnete und hereinkam. Mit entsicherter Waffe stand Danny auf und ging so leise wie möglich in Richtung Küche. Dann blieb er vor der Küchentür stehen. Darin waren leise Geräusche zu hören. Er öffnete die Tür und betrat den Raum mit erhobener Waffe. Doch die Geräusche kamen von dem Alarm einer Kochuhr. Plötzlich fühlte Danny etwas Kaltes in seinem Genick. „Keine Bewegung“, sagte eine kalte Stimme hinter ihm. Dann hörte er auf einmal ein Klicken. „Das gleiche gilt für dich, Schweinebacke“, sagte Fallaway. Danny drehte sich um und sah Fallaway, wie er einem wie ein Einbrecher gekleideten Mann eine Pistole an den Kopf hielt, der von einer schwarzen Maske bedeckt war. „Hättest du wohl gerne“, knurrte der Einbrecher, „aber ich bin Jack the Ripper. Der Schlitzer von Washinton.“ Bevor Fallaway oder Danny sich bewegen konnten, drehte Jack den Kopf weg und trat Fallaway gegen das rechte Bein genau auf die alte Verletzung. Fallaway knickte zusammen. Im selben Augenblick schlug Jack Danny mit der Handkante seitlich an den Kopf, woraufhin dieser benebelt zusammensank. Mit drei schnellen Schritten war Jack am offenen Küchenfenster angelangt und sprang heraus. Mrs. Fallaway kam von dem Tumult angelockt zu den beiden und half ihnen auf die Stühle. „Ganz ruhig, er ist weggerannt. Geht jetzt erst mal schlafen.“ Am nächsten morgen wachte Danny mit einem schmerzenden Schädel auf. Er und Fallaway fuhren zur Polizeistation. Dort forderten sie zuerst den Bericht über das Messer vom Tatort an. „Sieht aus als hätte man einen Fingerabdruck gefunden.“, erzählte Danny, ,,Er gehört, wen wundert es, Dr. Francis Krüger.“ „Nein, nein, es ist nicht Francis.“ „Nicht Krüger, wer dann?“ „Komm mit, ich erkläre es dir unterwegs.“ Im Auto begann Fallaway mit seiner Erklärung: ,,Es ist alles viel zu offensichtlich. Krüger ist nicht so dumm, dass er ein unbenutztes Messer mit seinen Fingerabdrücken und eine Visitenkarte zu seiner Praxis am Tatort liegen lassen würde. Außerdem sind die blauen Augen sein auffälligstes Merkmal. Das würde er verstecken. Und er hat Waldeyer am Leben gelassen. So etwas macht kein Verbrecher. Jemand will ihm etwas anhängen.“ ,,Aber wer?“ „Wir sind da. Hier wohnt er. Er ist der richtige Jack.“ Fallaway und der staunende Danny stiegen aus dem Auto, betraten das Gebäude und liefen einen Gang entlang bis zu einer Tür, welche sie öffneten und mit erhobenen Waffen betraten. Fallaway sagte ruhig: „Das Spiel ist aus Jack. Oder sollte ich eher sagen Professor William Terlec.“ „Hey, Moment mal“, warf Danny ein, „woher kommen Sie auf den Professor als Täter?“ „Ist das denn nicht offensichtlich, er war der einzige noch lebende Mensch, der von meiner Beinverletzung wusste. Jack hat gestern direkt darauf geschlagen.“ An den Professor, der anfing irre zu lachen, sagte er: „Sie sind verhaftet. Übrigens, Mr. Aus-der-Hölle, bald werden Sie in die Hölle kommen. Und zwar in eine gelbe kleine Gummizelle. Immerhin haben Sie zwei unschuldige Frauen getötet.“ Terlec antwortete irre lachend: „Ich habe nur getan, was der Ripper von mir wollte. Zwei Prostituierte, was ist schon groß dabei.“ „Es sind immer noch Menschen, Sie armer Irrer“, fauchte ihn Danny an. Terlec wurde verhaftet und gestand auf Anhieb alles. In seinem Schrank wurden ein blutiges Messer, ein Mantel, eine Maske und blaue Kontaktlinsen gefunden. Er wurde in eine geschlossene Anstalt gebracht.

                                                                                                                                  Max Fuhrmann