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Ein unvergesslicher Sommer

 Es war vor circa zwei Jahren. Meine Freundinnen und ich fuhren in ein Sommercamp, das an einem großen See lag. Wir übernachteten in Zelten. Es war eine tolle Zeit. Wir hatten sehr viel Spaß und viele neue Freunde haben wir auch gefunden. Wir wollten gar nicht an einen Abschied denken, denn wir wussten, dass es sehr traurig werden würde. Eines Nachts gab es ein schweres Gewitter. Wir saßen zusammengekuschelt in unserem Zelt und erzählten uns Gruselgeschichten. Maria, die jüngste aus unserem Zelt, hatte Angst, das konnte man an ihrem gespannten Gesichtsausdruck erkennen. Wir trösteten sie, und sagten ihr, dass sie keine Angst haben müsse, da es nur ausgedachte Geschichten waren. Inzwischen war es 03:00 Uhr. Laura, ein sehr nettes Mädchen, die ebenfalls in unserem Zelt schlief, musste dringend auf die Toilette. Diese lag 100 m von unserem Zelt entfernt. Niemand wollte sie begleiten, da es sehr dunkel war. Die Betreuer warnten uns jedoch ausdrücklich, nicht allein auf die Toilette zu gehen. Laura sagte : „Ich gehe alleine, bleibt ihr hier, ich habe genug Mut. Mir passiert schon nichts, ich passe auf mich auf." Ich antwortete: „Bist Du dir sicher ?" Laura nickte und ging los. Nach einer viertel Stunde war sie immer noch nicht zurück. Wir fingen an, uns Sorgen zu machen. Wir hatten beschlossen, uns gemeinsam auf die Suche nach Laura zu machen. Wir waren uns nicht sicher, ob wir erst zu den Betreuern oder zu den Toiletten gehen sollten, entschieden uns dann aber für die Toiletten. Doch Laura war dort nicht aufzufinden. Wir machten uns auf den Weg zu den Betreuern, um ihnen zu sagen, dass Laura verschwunden war. Gemeinsam machten wir uns dann auf die Suche nach ihr. Susanne, eine unserer Betreuerinnen, informierte sofort die Polizei und Lauras Eltern. Wir riefen ganz laut ihren Namen, doch Laura meldete sich nicht. Einige Minuten später traf die Polizei ein. Die Polizei befragte jeden von uns und die Spurensicherung untersuchte das Gelände. Da fiel mir ein, dass Laura den See besonders toll fand. Die Polizei, die anderen und ich machten uns sofort auf den Weg zum See. Das Gewitter hatte Gott sei Dank aufgehört. Der See lag ruhig, das Schilf wehte hin und her.

Aber auch hier war von Laura keine Spur, dachten wir . . .

Der Morgen dämmerte schon und wir suchten immer noch. Wir waren alle furchtbar müde und erschöpft, machten uns jetzt aber noch größere Sorgen um Laura. Ihre Eltern trafen in der Zwischenzeit ein. Susanne versuchte, die Eltern zu beruhigen, das gelang ihr jedoch nur schwer. Die anderen Jugendlichen wurden zum Frühstück geschickt. Die Polizei forderte über die Dienststelle einen Suchhund an. Nach einer Weile bemerkte Susanne, dass Heinz, der Platzwart des Geländes, sich schon lange nicht mehr hatte blicken lassen. Sie fragte Boris, einen unserer männlichen Betreuer, ob er etwas von ihm gehört hatte, doch Boris musste zugeben, dass auch er Heinz schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Inzwischen war auch der Suchhund eingetroffen. Ich rannte zum Zelt und holte einen Pullover von Laura. Ich überreichte ihn den Polizisten, der Hund nahm die Fährte auf und rannte los. Der Weg führte durch den Wald, der ebenfalls am Camp lag, zum See. Da der See sehr groß war, dauerte es lange, bis sie an der anderen Seite waren. Dort fanden Sie Lauras Schuh. In der Zwischenzeit hatten auch die anderen Jugendlichen von Lauras Verschwinden erfahren. Sie machten sich ebenfalls Sorgen. Für die Eltern sollte ein Psychologe angefordert werden, denn sie rechneten mit dem Schlimmsten. Einer der Polizisten fragte uns immer und immer wieder, ob uns etwas ungewöhnliches aufgefallen sei oder ob Laura sich komisch verhalten hatte. Aber wir antworteten immer das selbe. Schließlich war alles ganz normal. Oder nicht? Da kam Marc angerannt, ein Junge aus dem Camp und berichtete mit aufgeregter Stimme, dass Laura gestern eine merkwürdige Nachricht erhalten hatte. Ich fragte ihn, ob er wisse, von wem die Nachricht war, doch er wusste es nicht. Ich war verwundert, denn wir hatten uns eigentlich immer alles gesagt. Plötzlich tauchte Heinz, der etwas korpulente Platzwart, auf und wunderte sich über das Geschehene der letzten Nacht. Er kam heute später zum Platz, da er noch einige Erledigungen machen musste. Er reagierte sehr aufgebracht, er war sehr wütend, da er uns gefühlte tausend Mal sagte, wir sollen in der Nacht nicht alleine auf die Toilette gehen. Heinz erzählte uns, dass schon viele merkwürdige Dinge hier passiert waren. Da kam plötzlich eine Nachricht per Funk vom anderen Ufer des Sees. Sie hätten eine weibliche Leiche im Schilf gefunden. Das Mädchen hätte lange braune Haare, sei ca. 1,65 m groß und habe ein Nasenpiercing. Als die Mutter das hörte, brach sie zusammen. Wir waren ebenfalls am Boden zerstört und schockiert. Einer der Polizisten fordete sofort den Notarzt an. Die Beamten zogen das Mädchen aus dem Schilf. Als der Notarzt eintraf, konnte er nur noch den Tod feststellen. Der Notarzt gab der Mutter eine Beruhigungsspritze. Die Leiche von Laura wurde zur Obduktion freigegeben, da sie eines unnatürlichen Todes gestorben sein musste, denn sie war eine gute Schwimmerin und hatte sogar das Rettungsschwimmerabzeichen. Da fiel mir die Nachricht wieder ein. Ich eilte zum Zelt um Lauras Handy zu holen und die Nachricht, von der Marc berichtet hatte, zu lesen. Sie war von Kevin, der ebenfalls im Camp war. Ich berichtete der Polizei den Inhalt der Nachricht. Wo war Kevin überhaupt? Keiner von uns hatte ihn heute schon gesehen. Wir machten uns auf die Suche. Wir fanden Kevin in einem Versteck im Wald. Er war völlig verstört. Er flüsterte immer wieder: „Ich wollte es nicht, ich wollte es nicht." Die Polizei nahm ihn mit zum Camp. Er wurde verhöhrt und beichtete alles. Er hatte sich in der Nacht mit Laura am See verabredet um ihr zu sagen, dass er sie sehr mag. Sie konnte jedoch die Gefühle nicht erwiedern und rannte los. In lauter Eile stolperte sie über einen großen Ast und landete mit dem Kopf auf einem Stein. Als Kevin das sah, bekam er Panik. Vor lauter Angst, was ihm bevorstehen könnte, versteckte er Lauras reglosen Körper im Schilf. Laut Obduktionsbericht hätte Laura überleben können, wenn ihr jemand geholfen hätte. Als Polizei und Notarzt das Gelände verlassen hatten und die Lage sich etwas beruhigt hatte, fragten wir Heinz neugierig: „Was meinten Sie vorhin für merkwürdige Dinge?" Er antwortete: „Ich meinte die wilden Tiere, die nachts hier umherirren und eine Menge Schäden anrichten." „Wilde Tiere ?", fragten wir. "Füchse, Wildschweine und Waschbären", erwiderte Heinz.

Am Mittag erfuhren wir, dass das Camp auf Grund der Geschehnisse beendet werden würde. Wir waren alle zutiefst erschüttert und bestürzt über die furchtbaren Ereignisse, die uns wiederfahren waren. Es sollte doch ein schöner und unvergesslicher  Sommer werden.

Noch heute können wir Lauras unglücklichen Todesfall nicht vergessen, jedes Jahr treffen wir uns an ihrem Grab, um sie in Erinnerung zu behalten.

                                                                                                                                 Lisa Ebert