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Künstlerpech

Es war das Jahr 2000. Ein schriller, lauter Lärm weckte mich aus meinem tiefen, ruhigen Schlaf. Erst dachte ich, es wäre mein Wecker, aber der zeigte 23: 27 Uhr an. Ich merkte schon, irgendetwas stimmte nicht. Es war mein Handy. Am liebstem hätte ich die Mailbox rangehen lassen, aber ich wusste, dass ich mich vor einem Fall nicht drücken kann.

Es ging um einen Diebstahl im Museum neben an. Ich zog mir meine Jacke an, setzte mir die Maske auf und ging los. Ach ja, ich trage eine Maske, weil niemand mein entstelltes Gesicht sehen soll. Es passierte bei einer Brandstiftung vor einem Jahr an unserem damaligen Haus. Es war komplett abgebrannt, nichts blieb übrig und meine Eltern kamen ums Leben. Ich konnte um Haaresbreite entkommen aber mein Gesicht fing Feuer. Seit dem trage ich eine Maske und werde jeden Verbrecher fassen. Durch die Maske sieht man nur meine beiden Augen nicht mehr, nicht weniger. Aber nun zum Fall . Es war arschkalt, denn wir waren mitten im Winter. Ich kam zum Tatort und der Kommissar begrüßte mich in voller Hoffnung, dass ich den Fall lösen würde: „Hallo Matt.“ Oh, stimmt ja, ich habe ganz vergessen mich vorzustellen. Mein Name ist Matt Simons, ich bin zwar erst 17, aber dafür der beste Detektiv, den die Kripo je hatte. Der Kommissar berichtete mir, dass es keine Einbruchsspuren gab. Hieß das, der Täter war eventuell schon im Museum? Ich merkte schon, wir hatten es mit einem Profi zu tun. Die Jungs von der Spurensicherung konnten nur drei Sachen feststellen. 1.: Einen sehr starken Geruch nach Zitronenputzmittel, aber das ist ja eigentlich nichts Besonderes für ein so sauberes Museum. „Solche Idioten“, murmelte ich, „das hätte auch ein Baby gemerkt.“ „Was“, schrie der Chef der Spurensicherung völlig aufgebracht. Die konnten mich sowieso alle nicht leiden, denn ich war erst siebzehn und hatte schon all das, was sie sich hart bei der Arbeit verdienen mussten. „Was habt ihr noch gefunden?“, fragte ich und musste mir mein Lachen über ihre Unfähigkeit stark verkneifen. 2. waren Baguettekrümel überall im Museum verteilt. Das kam mir schon etwas merkwürdig vor – ein Einbrecher, der erst so professionell arbeitet, dann etwas beim Einbruch isst und überall seine Spuren im Museum hinterlässt und sich so verrät. Ich merkte schon, dieser Spur konnten wir nicht trauen. Und ein weiterer Hinweis war 3., dass das Sicherheitssystem ausgefallen war. Außerdem wurde nur ein wertloses Gemälde gestohlen. Wie es aussah, ging es auch nicht um großen Reichtum. Ich dachte, sie hätten irgendetwas übersehen, aber was nur? Das war mir jetzt aber auch egal, ich wollte nur noch schlafen. Ich ging nach Hause und tat dies dann auch. Dann war da wieder dieses schrille, laute Geräusch. Ich feuerte mein Handy gegen die Wand, aber das Geräusch hörte nicht auf. Da merkte ich, der Lärm kam von meinem Wecker. Mist, mein Handy war hinüber. Dafür konnte ich jetzt nicht mehr mitten in der Nacht geweckt werden. Auf ging es zum Tatort. Ich nahm das ganze Museum unter die Lupe. Finden konnte ich nichts. Mir fiel nur eine ganze Hand von Personen auf. Ein Mann mit einem riesigen Baguette in der Hand, ein ziemlich geheimnisvoller Mann mit einer fast den ganzen Kopf bedeckenden Mütze und einem langen Mantel, der seinen Körper komplett umhüllte. Zuletzt war da noch der Hausmeister. Er schien mir etwas … sagen wir mal … verwirrt zu sein, aber auch hinterlistig. Ich befragte Herrn Joseph Kassa dazu. Er war der Besitzer und Leiter des Museums. Er zog sich wohl immer etwas ausgefallen an und trug jederzeit ein Dauer-Grinsen im Gesicht. Doch bei unserem Gespräch merkte ich, dass er nicht so fröhlich war, wie es schien. Als ich ihn zu den Verdächtigen befragte, antwortete er: „Die kenne ich nur zu gut. Der, der immer mit einem Baguette herumläuft, ist mein bester Freund James Cock. Der Hausmeister ist Thomas Green und der, wie sie meinen, mysteriöse Mann ist Jim Fox. Er besucht uns täglich. Ich glaube aber, keiner dieser drei war es. James würde mir so etwas nie antun. Jim ist steinreich, er könnte das ganze Museum tausendmal kaufen. Er würde sich nie in Gefahr bringen. Ach ja, und Thomas… er ist sehr nett und so loyal, nein er kann es auch nicht gewesen sein. Ich denke eher, dass es mein mich hassender, Rivale Pierre Fallou ist. Ihm trau ich das zu, der würde doch alles tun um mich zu ruinieren.“ Ich dachte, klar irgendwie hatte er ja Recht, aber vernehmen musste ich doch alle vier. Zuerst begann ich mit James. Ich fragte ihn, ob er vielleicht eine heiße Spur hatte. Kaum fing er an, schweifte er auch schon ab und redete nur noch über Baguettes. Dann aber fiel mir auf, dass er einen vergoldeten Zahn besitzt. Ich hörte ihm nicht mehr zu, was interessieren mich denn Baguettes. Ich dachte nur noch über den Zahn nach. Aber da entstand auch gleich wieder eine Lücke, denn unter Kennern heißt es, das Bild ist nur ein wenig Geld wert, lang nicht genug für den vergoldeten Zahn. Danach fing ich an, ihm wieder zuzuhören und, oh mein Gott, der Typ schwafelte immer noch über Baguettes. Ich würgte ihn mitten im Satz ab und ging. Er war schon mal aus dem Schneider. Mit dem Hausmeister wollte ich auch reden aber als ich ihn ansprach, ging er. Vielleicht passt ihm meine Maske nicht, aber ich denke auch nicht darüber nach, sie abzusetzen. Andererseits kommt mir das schon verdächtig vor. Letztendlich entschied ich mich dazu, erst gar nicht mit Jim zu reden. Er hatte kein Motiv und aus seiner Sicht wäre das dämlich. Na ja, dann blieb nur noch Pierre. Pierre war, wie es aussah, sehr modebewusst und abgemagert. Ich hörte, er trüge nur das Neuste vom Neuen. Ich erkannte ihn sofort. Als ich ihn vernahm, erfuhr ich etwas sehr Interessantes. Joseph hatte den Aufstieg zu der oberen Künstlerschicht nur durch ein von Pierre gestohlenes Bild geschafft, mit dem er eigentlich den Ausstieg schaffen wollte. Und genau dieses Motiv war perfekt, aber er hatte ein wasserdichtes Alibi, denn er war auf einer Designerparty, und dort war er durch sehr angetrunkenes, lautes Grölen bei jedem Song allen Gästen auf der Party aufgefallen. Aber er musste einfach in der Sache mit drin stecken. Da fiel mir ein, dass es den Hausmeister auch noch gab und als ich Pierre auf ihn ansprach, verstummte der vorher so geschwätzige Franzose plötzlich. So, dann war mir alles klar. Pierre wollte Rache, aber er wusste, dass er als Hauptverdächtiger am meisten in Frage kommt. Also brauchte er nicht nur ein Alibi sondern auch einen Komplizen, der nicht nur ziemlich unauffällig ist, sondern sich auch noch gut im Museum auskennt. Jetzt musste ich nur noch die letzten Puzzleteile finden und sie zusammensetzen. Zuletzt halfen mir die Entdeckungen des Elektrikers und des Müllmanns. Der Elektriker berichtete mir, dass das Sicherheitssystem durch eine Überladung ausgeschaltet wurde. Der Müllmann zeigte mir sogar, was er entdeckt hatte: einen eingeschneiten Overall, und dass eine Glasscheibe gleich neben diesem verschwunden war. Sie war nach innen ins Haus gefallen. Und nun passte alles zusammen. Letztendlich hing ich mich noch ein bisschen an Thomas. Er warf einen Sack weg, den sah ich mir sofort an. Darin waren ein Glasschneider und ein extrem starker Elektroschocker. Fehlt nur noch ein Zettel, auf dem steht: „Ja, ich habe das Bild gestohlen.“ Da erklärte ich Joseph alles. Pierre hatte Thomas angestiftet und ihm irgendetwas dafür geboten. Thomas kam verkleidet als Müllmann im Overall, den zog er hinterm Museum dann aus. Dann schnitt er das Fenster komplett aus, sodass es nicht so aussah, als ob man am Fenster herum geschnitten hatte. Darauf stieg er durchs Fenster. Er wusste genau wo der Kontrollschalter für das Sicherheitssystem war. Mit dem Elektroschocker überlastete er das System und es fiel aus. Er nahm das Bild, legte noch ein paar falsche Spuren, stieg durchs Fenster aus und setzte dasselbe wieder ein. An diesem Abend hatte es geschneit. Der Overall wurde bedeckt und er vergaß ihn. Später überreichte er Pierre das Gemälde und bekam das Geld. Sein Pech war das das Fenster durch einen Windstoß umfiel und er den Geruch von Putzmittel zurück ließ. Tja, und so flogen letztendlich beide auf.

„Pierre Fallou und Thomas Green bekamen eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren ohne Bewährung.“

„Joseph Kassa bekam sein Gemälde zurück und alles kehrte wieder zum Alltag zurück.“

                                                                                                                                 Florian Groth