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Weihnachtsmann: gut oder böse?

 Wie alles begann: Vor einem Jahr, wurde ich von einem harten Schicksalsschlag getroffen. Ich war gerade noch auf Arbeit, als mich meine Frau anrief und mir sagte, dass sie mit unseren Kindern auf dem Weihnachtsmarkt fahren wollte. – die letzten Worte, die ich von ihr hörte. Damals ahnte ich noch nichts von dem, was mir begegnen würde. Ich dachte mit weichem Herzen an meine Familie. Unser Sohn, gerade sieben Jahre alt geworden, ist sehr niedlich. Seine großen blauen Augen mag ich am meisten. Annabella ist das ganze Gegenteil von ihren Bruder. Sie ist groß für ihre 10 Jahre und kann manchmal ganz schön zickig sein. Trotzdem ist sie sehr liebenswert. Dann schweiften meine Gedanken weiter zu meiner Frau, sie ist eine sehr gute Mutter, denn sie ist gütig und verantwortungsbewusst. Lange blonde Haare umrahmen ihr hübsches Gesicht. Ich wollte mich beeilen mit meiner Arbeit, um schnell zu ihnen zu kommen. Als ich schließlich zu Hause war, war das Haus verlassen. Ich dachte mir nichts dabei, denn ich ging davon aus, dass sie wohl noch auf dem Weihnachtsmarkt sind. So machte ich mir etwas zum Essen und ging dann zu Bett. Erschrocken wachte ich am nächsten Morgen auf. Weder meine Frau, noch meine Kinder waren da. Ich dachte nicht nach, sondern ging sofort zur Polizei. Dort beschrieb ich alles genau und man erzählte mir, dass in der Nacht eine Frau und zwei Kinder in einem Wagen tot aufgefunden wurden. Ich erschrak. Der Polizist bot mir an, die Leichen zu sehen. Benommen folgte ich ihm. Dann sah ich sie… mir stockte der Atem  und ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Zwei Wochen später teilte mir die Polizei mit, das im Blut meiner Frau Giftanteile gefunden wurden und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, dass sie vergiftet worden war und dadurch den Unfall verursacht hatte. Ich hatte einen unbändigen Hass auf die Person, die sie getötet hatte, und wollte mich um jeden Preis rächen. Ich hatte auch schon eine leise Ahnung, wer es gewesen sein könnte…. Ich lebte weiter wie zuvor. Ich ging arbeiten und erledigte die Hausarbeit. Doch meine Gedanken waren voll Trauer und Hass. Eines Tages klingelte das Telefon. Ich ging ran und bekam den Schock meines Lebens. Am anderen Ende tobte und wütete ein Mann: „Was hast du mit deiner Frau gemacht? Ich wusste doch gleich, dass du ein schlechter Ehemann bist, Bruno. Du hast sie nicht verdient!“ Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es lief mir eiskalt über den Rücken. Es war KLAUS, ein ehemaliger Verehrer meiner Frau. Er hatte ihr kurz nach unserer Hochzeit selbst einen Heiratsantrag gemacht, doch sie lehnte ihn ab, da sie schon mit mir verheiratet war. Danach schrieb er mir mehrere Drohbriefe, doch ich achtete nicht mehr darauf. Ich antwortete ihm: „Du brauchst mir gar nichts vorzumachen. Ich weiß genau, wer sie umgebracht hat.“ Klaus lachte verächtlich: „Tja, wenn ich sie nicht haben kann, kriegt sie halt keiner.“ So bestätigte sich mein Verdacht und ich überlegte nur noch, wie ich mich an ihm rächen konnte. Als die Weihnachtsmärkte wieder eröffnet wurden, war mein Plan perfekt. Ich hatte alles gut durchdacht und nichts konnte mehr schief gehen. Da ich dieses Jahr über Weihnachten frei bekommen hatte, nahm ich einen Nebenjob als Weihnachtsmann an. Doch zuvor holte ich aus der Apotheke nebenan eine Flasche Morphium, die eigentlich für meine Mutter war.

 

Die Rache:

Als Weihnachtsmann verkleidet kam ich früh am nächsten Morgen auf den Weihnachtsmarkt, um beim Aufbau der Stände zu helfen. Ich wusste, dass auch Klaus dieses Jahr wieder einen Glühweinstand betreuen würde, und so hielt ich meine Augen offen. Da entdeckte ich ihn plötzlich. Ich ging direkt auf ihn zu und fragte ihn, ob ich ihm beim Aufbau seines Standes helfen könne. Durch mein Weihnachtsmannkostüm konnte er mich nicht erkennen und so bejahte er meine Frage. Kurz vor der Eröffnung des Weihnachtsmarktes ging Klaus kurz noch einmal zu seinem Auto um sich umzuziehen. Das war meine Chance. Schnell eilte ich zu dem Kessel, in dem der Glühwein erhitzt wurde und kippte alles Morphium hinein. Ich versteckte die leere Flasche in Klaus‘ Stand und ging noch einmal nach draußen. Da kam Klaus um die Ecke und bedankte sich für meine Hilfe. Wenn er geahnt hätte, wer ich bin und was ich ihm angetan hatte, hätte er bestimmt anders reagiert.

Nach der Eröffnung des Weihnachtsmarktes ging ich meinem Job nach und erfreute Kinder mit Süßigkeiten. Ab und zu schaute ich auch mal unauffällig an Klaus‘ Stand vorbei. Menschen kamen und gingen. Doch alle, die Glühwein getrunken hatten, brachen nach einigen Schritten zusammen. Ein paar Leute fingen an zu schreien und schließlich kamen ein Krankenwagen und die Polizei. Als immer mehr Leute zusammenbrachen, wurde es den Menschen immer unheimlicher. Viele gingen nach Hause, andere rannen weg, und wieder andere gerieten in Panik und schrieen herum. Die Polizei bemühte sich, die Ursache für das plötzliche Sterben der vielen Menschen herauszufinden, doch im Moment kamen sie nicht weiter.

Aber letztendlich ging es doch alles schneller, als ich gedacht hatte. Im Krankenhaus wurden die Leichen untersucht, und schon bald bemerkten die Ärzte die Ursache für den plötzlichen Tod der Menschen. Jetzt war nur noch die Frage, wer es gewesen ist. Die Polizei reagierte schnell, sie ließ alle Stände, an denen etwas zum Essen oder Trinken verkauft wurde untersuchen. Ich schaute wieder einmal bei Klaus´ Stand vorbei, als gerade zwei Polizisten auf ihn zugesteuert kamen. Er bekam einen riesigen Schrecken. Schließlich war er ein Mörder. Zwar hatte das bis jetzt noch niemand herausgefunden, aber er war sich dessen bewusst. Ich wollte mir das nicht entgehen lassen, und so lief ich in der Nähe von Klaus Glühweinstand umher. Ich verstand nicht ganz, was sie da redeten, nur ab und zu ein paar Worte wie: Gift, Tod, Glühwein und trinken. Klaus schien verzweifelt. Schließlich schrie er die Polizisten fast an und sagte, dass in seinem Glühwein garantiert kein Gift drin sei. Die Polizei machte es kurz: „Wenn in ihrem Wein kein Gift ist, dann zeigen sie uns das doch mal, trinken sie doch selbst!“ Da Klaus keine Ahnung hatte, trank er kurzerhand einen par Schluck. Doch man sah ihm den Zweifel und das Misstrauen an seinen Augen an. Dann sagte er: „Sehen sie, ich hab ihnen doch gesagt, dass da kein Gift drin ist. Ich bin noch ganz lebendig.“ Gerade als er diese Worte gesagt hatte, taumelte er leicht, und fiel um. Ich konnte mir ein kurzes Grinsen nicht verkneifen, doch die Polizei war schockiert. Jetzt wussten sie, wer der Schuldige war, doch hatte der jetzt selbst in den sauren Apfel gebissen. Sofort durchsuchten sie den Stand und fanden schließlich auch die Morphium-Flasche. Alles deutete darauf hin, dass Klaus der Täter gewesen war. Das beruhigte mich, und ich ging weiter weg von Klaus´ Stand, um den Weihnachtsmarkt noch richtig zu genießen. Jetzt, wo mein Rachedurst gestillt war.

 

Was in der Zwischenzeit geschah, habe ich erst später erfahren. Der Polizei kam es doch ein bisschen komisch vor, dass jemand erst ganz lange seine Unschuld beteuert, um sich dann ohne zu widersprechen dem sicheren Tod ausliefert. Sie befragten Zeugen, was sie gesehen hatten, doch niemand hatte etwas Verdächtiges an Klaus bemerkt. Unter den vielen Menschen befand sich auch ein kleines Mädchen, etwa 6 Jahre alt, das ununterbrochen redete. Als es dann aber die ganze Geschichte hörte, von den vielen Menschen, die gestorben waren, und dass man nicht genau wusste wer der Täter sei, da wurde sie ganz still. Sie fragte noch einmal nach, welcher Stand es gewesen sei, und ob sie die Flasche mal sehen durfte, die der Polizist in der Hand hielt. Anschließend behauptete sie stur: „Es war der Weihnachtsmann!“ Die Leute guckten erst erstaunt, dann drehten sie sich weg und meinten: „Auf was für Ideen kleine Kinder manchmal kommen, wenn sie nichts zu tun haben?!“ Als sie aber nicht aufhörte, davon zu reden, dass der Weihnachtsmann alle getötet habe, und man ihn jetzt einsperren muss, kam doch ein Polizist auf sie zu, und wollte wissen, wie sie darauf komme, so etwas zu behaupten. Da erzählte das Mädchen, wie sie kurz vor der Eröffnung noch einmal auf die Toilette musste, und da sie keine gefunden hatte, sei sie einfach hinter den Baum direkt neben Klaus stand gegangen. Als ein Mann aus dem Häuschen raus gekommen war, hatte sie sich schnell hinter dem Baum versteckt. Doch dann hatte sie gesehen, wie der Weihnachtsmann ganz schnell in das Häuschen gerannt sei, und dabei die Flasche herausgeholt hatte, die ihr der Polizist eben gezeigt hatte. Dann hatte sie nur noch ein Plätschern und ein leises Poltern gehört, dann sei der Weihnachtsmann schnell wieder herausgekommen, und habe sich dann noch kurz mit dem anderen Mann unterhalten, bevor er gegangen sei. Dem Polizist kam die Sache merkwürdig vor, doch er erzählte sie trotzdem seinen Kollegen, die sich dann entschlossen, den Weihnachtsmann selbst ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Und da es auf dem Weihnachtsmarkt dieses Mal nur mich gab, fiel es ihnen nicht mehr schwer, den richtigen zu finden. Ich versuchte zwar noch, mich herauszureden, doch es gelang mir nicht. So wurde ich ins Gefängnis gebracht. Doch zuvor erzählte ich den Polizisten noch, dass es Klaus gewesen sei, der meine Frau und meine Kinder umgebracht hatte, und dass ich mich nur rächen wollte.

Diese Geschichte ist nicht erfunden. Ich sitze hier im Gefängnis und das waren meine Erlebnisse der letzten Jahre. Kleiner Tipp: Selbstjustiz ist in Deutschland verboten und bringt euch nicht weiter als ins Gefängnis.

Liebe Grüße Euer Bernd

 

                                                                                                          Heike Netzel & Florentine Koch